Demnächst die Geschichte des "Geflügelhofes" Wir sammeln Eure Erinnerungen
+ Geschichte des Geflügelhofes Teil I (in Arbeit)

Damit das Cafe & Restaurant "Landhaus Geflügelhof" nicht vergessen wird, kommt nun die Geschichte vom „Geflügelhof"

Dazu holen wir einmal weit aus und begeben uns in das Jahr 1876.

In diesem Jahr wurde er geboren. Jan Stralli – ein Borkumer Original.

Jan  Okken. Geb. 13.07.1876 – gest. 20.11.1957 

Es bedarf sicher keines besonderen Hinweises, dass gewisse Familiennamen auf unserer Insel recht häufig vorkommen.

Dazu zählen unter anderem Akkermann, Teerling, Lübben, Beekan, Bakker.
Nach Friesensitte war es üblich, Großvaters Namen auf den ersten Enkel zu übertragen.

So war es nicht selten, dass in manchen Familien gleiche Namensträger vorkamen.
Um die vielen Familienmitglieder eines Namens besser unterscheiden zu können und damit jeder gleich wusste wer gemeint war, bekamen sie einen Ökelnamen. (Einen Spitznamen)

Dieser gab entweder einen Hinweis auf den Beruf des Namensträgers oder auf eine besondere Begebenheit in seinem Leben, oder er bezog sich auf seine Person.

Nachfolgend dafür einige Beispiele:

Jan Snieders – Jan Akkermann – Schneider
Klaas Barbier – Klaas Akkermann – Friseur

Bernd Buskohl – Bernd Teerling – Gemüsehändler

Bernd Konditor – Bernd Teerling – Bäcker / Konditor

Jan Blümlein – Jan Akkermann -  Gärtner

Jaap Meester – Jakob Teerling – Lehrer

Appi Land – Albert Bakker – Gärtner

Aus diesem Kreis wollen wir einen herausnehmen und kurz vorstellen.

Um ihn ranken sich einige „Dontjes“ Geschichten, die alle auf Tatsachen beruhen sollen. Er kann als ein Borkumer Original bezeichnet werden.

Jan „Stralli“. Er heißt wirklich Jan, im Übrigen jedoch standesamtlich Jan WiardsOkken. Schon von Kindesbeinen an hatte Jan das Gefühl für einen sicher gezielten Wurf – in der Tat, wie auch später im Wort.

Damals vorwiegend mit einer dicken Glaskugel beim Knickerspielen.

Die anderen Jungen lamentierten deswegen: “Nee Jan, du mit dien „STRALLI“ – das war die sichere Kugel – du haalst uns ale Knicker wech!“
Wollten die Jungen ihn vom Spiel ausschließen, verhandelte er  und bot an, doppelt so viele einzusetzen als sie und vielleicht noch mehr. Das lockte, aber dennoch gewann er den Löwenanteil durch seine unfehlbare „STRALLI“ Und so kam er zu seinem Spitznamen, der ihm und seiner Familie bis heute erhalten geblieben ist. 

Jan „Stralli“ wurde im Jahr 1876 auf Borkum geboren. Seine Wiege stand in der damaligen „großen Straße“, der heutigen Wilhelm Bakker Str. gegenüber dem reformierten Pastorenhaus. Achtzig Lebensjahre waren ihm beschieden und er hat in dieser Zeit seine Heimatinsel wohl kaum verlassen. Über die Hälfte seines Lebens diente er als Maler der  Borkumer Kleinbahn. In den Sommermonaten, wenn Badegäste kamen, wurde er als Schaffner eingesetzt.

In dieser Zeit „spielte“ auch die nachfolgende Begebenheit:

Vor Jahren, als Jan „Stralli“ Schaffner der Kleinbahn war, legte es einmal ein Badegast darauf an, ihn zu ärgern.
Er fuhr täglich mit der Bahn und bezahlte mit 50 Markscheinen, die zu wechseln schwierig war.
Als das zum ersten Mal geschah, tat Jan die üblichen Fragen, ob es nicht anders gehe, da es nicht zu gehen schien, machte er sich die Mühe, das Wechselgeld zusammen zu holen.

Am anderen Tage wiederholte sich das Spiel.

Jan merkte jetzt die Absicht, schwieg aber und dachte, es sei das Beste dem Gast seinen Spaß zu verleiden.
Doch weit gefehlt, am dritten Tag war es wieder so, und wieder musste Jan „Stralli“ das Geld von Fahrgast zu Fahrgast zu tauschen.

Alle im Wagen beobachteten das Spiel von Tag zu Tag mit wachsendem Vergnügen.
Man erwartete eine drastische Explosion des geneckten. 
Jan tat ihm diesen Gefallen nicht, aber seine Augen funkelten, als er dem Herrn das mühsam zusammengebrachte Wechselgeld überreichte.

Wie dieser jedoch auch am 4. Tag, und diesmal dabei offen lachte, seine 50 Mark präsentierte, griff Jan „Stralli“ in seine Tasche und zahlteihn aus, in Groschen und vor allem in 5 Pfennig Stücken…

Bei 30 Mark, wusste der nur sommerlich leicht bekleidetet Herr, kaum noch wohin mit der lastenden Münzflut.

Die Fahrgäste wollten bersten vor Lachen, und auch der also bediente ein reicher Industrieller lachte mit.
„Der Rest ist für sie“ rief er abwehrend.
Jan „Stralli“ salutierte dankend.
„Ab morgen wollen sie bitte mit Hunderten bezahlen, mein Herr“, jetzt kann ich es!“
Aber seit dem hatte auch dieser Badegast immer Kleingeld bei sich.Übrigens sind sie gute Freunde geworden. Jan „Stralli“ und der „Großgeld Mann“.

In einem „Baugesuch“ vom 13.Mai 1904, bat er die örtliche Bau-Polizei-Behörde um Erlaubnis zu Errichtung eines Wohnhauses in den Bandje Dünen. Dazu pachtete er von der Domäne ein etwas 4.000 qm großes Dünengelände. Verantwortlich für die Ausfertigung war der Borkumer Unternehmer Jakob van Dyken.

Aus der beigefügten Beschreibung wird der zu erstellende Bau in 5 Zeilen handschriftlich dargestellt.

Es handelte sich dabei um ein Gebäude, 8x7 mtr. In ½ + ¼ Steinausführung.

Die Teilung der Innenräume fand durch Holzwände statt. Unterhalb des Hauses ist ein Keller in Wohnstuben Größe.

Der Zeichnung nach war dieser Raum 3.00 x 6.50 mtr groß.

Insgesamt war das Haus aufgeteilt in Wohnstube und Materialienraum, Küche, sowie Flur.

Die Deckenhöhe bis Oberkante Balkenlage betrug 3mtr. Darüber befand sich ein Dachboden mit 2 Fenstern zum Westen hin.

Der Hauseingang lag zur Südseite, 2 Toiletten waren außerhalb, an der Ostseite des Hauses, angebaut.

Am 7 Juni 1904 war der Rohbau erstellt und der damalige Gemeinde Bau Sachverständige D.Juist teilte dem „Herrn Hülfsbeamten des Landrates“, Henry Bannier, mit, dass der Rohbau vollendet und abgenommen sei. “Der Bau ist dem Projekt gemäß ausgeführt“

Nur 6 Wochen später, am 21 Juni 1904, wurde die Schluss Abnahme vorgenommen.

Der Bausachverständige stellte Mängel fest, die der Hülfsbeamte des Landrates, wie

folgt festhielt: „Bei der am 21.d.M. stattgefundenen Schlussabnahme  Ihres Neubaus hat sich heraus gestellt, das an der Bodentreppe das vorgeschriebene

Handgeländer fehlt und das aus den Holzlatten bestehende Gitter über dem Keller Luftschacht nicht widerstandsfähig ist.
Die Beseitigung vorstehender Mängel ist mir innerhalb von 8 Tagen anzuzeigen“

In diesem Haus richteten Jan und KlasinaOkken geb. Risius noch im gleichen Monat ein Restaurant ein, dem sie den Namen „Geflügelhof“ gaben.
Diese Namensgebung lag nahe. Unter großen Anstrengungen wurden Teile des Geländes kultiviert, Gärten angelegt, Kartoffeln und Gemüse angebaut. Darüber hinaus wurden Hühner, Gänse, Puten und auch Kühe gehalten. Die Stallungen befanden sich in der Nähe des Wohnhauses. Ihre Produkte wurden im „Geflügelhof“ angeboten.

In einer Anzeige aus dem Jahr 1904 heißt es: „ Frische Milch, Kaffee und Kartoffelpuffer und sonstige Speisen“.

Das Wohnhaus mit Restaurant lag hinter dem sogenannten „Bandje Wasser“, in der Nähe des Militärschießstandes.

„Völlig Gefahrlos und für Passanten passierbar“, wird die Lage des Restaurants beschrieben. Das Ausflugsziel war sowohl durch die „Bandje Dünen“ wie auch über die Außenweide erreichbar, wofür über das „Bandje-Wasser“ eine Übergang geschaffen war.

Mit Beginn des 2. Weltkrieges mussten die außerhalb des Ortes liegenden Lokalitäten auf Grund des „Rayon Gesetzes“ aufgegeben und abgebrochen werden.
Das Reichs Rayongesetz regelte, dass Grundstücke innerhalb eines bestimmten Abstandes von Festungen nicht oder nur eingeschränkt bebaut werden durften. Durch diese Regelung sollte gesichert werden, dass im Vorfeld von Festungsbauwerken freies Schussfeld für die Verteidiger herrschte und eine Annäherung des Gegners rechtzeitig erkannt werden konnte. Festungen waren von drei verschiedenen Festungsrayons umgeben, in denen die Beschränkungen mit der Entfernung zur Festung abnahmen. Die Eigentümer der betroffenen Grundstücke wurden zwar nicht enteignet, aber erhielten für den Wegfall der Bebaubarkeit eine entsprechende Entschädigung.

Im „Geflügelhof“ kamen die Söhne Wiard (*23.10.1904), Peter (*5.8.1906) und Roelof (*31.5.1908) zur Welt.

Aus seiner Zeit als Gastwirt sind Anekdoten von Jan Stralli überliefert.
Als Jan eines Tages eine größere Gesellschaft sich der Wirtschaft nähern sah, rief er in die Küche:“Klasinarappel mit de Schöttels, drkoomen Badegasten!“
Das Wort „Apollinaris“ auszusprechen, machte ihm wohl etwas Schwierigkeiten. So rief er bei der Bestellung einfach: „ DreijWillm Haan!“ (Willm de Haan war der Lieferant von Apollinaris“Es kursierte manches „Döntje“ über Jan“Stralli“. Aber nicht nur solche zum Lachen, sondern auch nachdenklich stimmende. So erheiternd drastisch er sich in jeder Lebenslage verhielt – er war ein Mann von insular traditioneller Grundsätzlichkeit.

Das bekam sein Sohn Roelof zu spüren, als er in die Jahre kam, und das Poussieren ernsthafter gewertet werden musste.
„Höre mein Sohn.“ Sagte Jan eines Tages, „ich sehe dich jetzt abends so selten, höre dich aber um so öfter nachts nach Hause schleichen. Das „Beetnemen“ auf Borkum ist zwar aus der Mode, aber ich bleibe dabei: Wer noch um Mitternacht sich bei seiner Deern herumdrückt, soll sich klarwerden, was er will. Also entweder du pfeifst, oder du lässt das Maulspitzen sein, solange wir unter einem Dach wohnen.“

Der Sohn „pfiff“, brachte das Mädchen offen und frei in sein Elternhaus, und Jan „Stralli“ bekam nach angemessen ehrbarer Zeit seinen Jan, d.h. den ältesten Enkel, der nach Friesensitte Großvaters Namen trug.
Diese beiden, der alte und der junge Jan, waren fast unzertrennlich.
Was die Kameraden des jungen Jan, sowie Vater und Geschwister ablehnten, nämlich mit ihm vor Tag und Tau über die Insel zu wandern, alles was da wuchs, die Tiere der Lüfte, des Feldes, der Dünen und der See zu beobachten: „Opa Jan machte es mit und war „seines“ Jungen Kehrmeister.
Im Krieg, als der Vater im Felde war, und als alle Kinder von der Festung Borkum evakuiert werden mussten und auch der kleine Jan fort sollte, widersetzte der Alte sich der Verschickung. Die Behörden schritten ein, der hier besonders mächtige Ortsgruppenleiter befahl und drohte. Jan „Stralli“ sagte: „Dat Jungskeblifft bi mi. Wisallenleevenunoverstahn de oorlog, off wi starben mitnander. Utnandergifft et nei!“ Und dabei blieb es.
Beide überlebten. Jan „Stralli“ starb am 20 November 1957. Auf seinen Enkel Jan hat sich sein „Spitzname“ übertragen.
Jan Okken hat das „Stralli“, die „strahlende Glaskugel“ in sein Firmenlogo übernommen.
Den „Geflügelhof“ seiner Großeltern hat er – nach seiner Vorstellung – gezeichnet.
 

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